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Betontechnische Daten

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Betontechnische Daten > Betonanwendungen > Stahlfaserbeton

Stahlfaserbeton
 
Stahlfaserbeton ist ein Beton nach DIN 1045, dem zum Erreichen bestimmter Eigenschaften Stahlfasern (als Zusatzstoff) zugegeben werden.



Regelwerk

In DIN EN 206-1/DIN 1045-2 ist die Verwendung von Stahlfasern nach DIN EN 14889-1 geregelt. Bei Ausnutzung der Tragwirkung der Stahlfasern in tragenden und aussteifenden Betonbauteilen sind zusätzlich die Regelungen der 2010 erschienenen DAfStb-Richtlinie "Stahlfaserbeton" zu beachten. Die Richtlinie ergänzt die Eigenschaften und Anwendungen von Stahlfaserbeton, die nicht in DIN 1045, Teile 1 bis 3 bzw. in den DAfStb-Richtlinien "Betonbau beim Umgang mit wassergefährdenden Stoffen" und "Wasserundurchlässige Bauwerke aus Beton" behandelt sind, in denen der Einsatz von Stahlfaserbeton bereits vorgesehen ist.

Anwendungsbereich der DAfStb-Richlinie "Stahlfaserbeton"

AnwendungsbereichDie Norm ist nicht anwendbar auf ...
Bemessung und Konstruktion im Hoch- und

   Ingenierbau

unbewehrter Stahlfaserbeton

Stahlfaserbeton mit Betonstahlbewehrung

Druckfestigkeitsklasse ≤ C50/60

nicht tragende Bauteile (z.B.

   Industrieböden) sinngemäß
Beton nach Zusammensetzung

Standardbeton

Selbstverdichtenden Beton

Stahlfaserspritzbeton

Bauteile aus vorgespanntem Stahlfaserbeton

Bauteile aus gefügedichten und haufwerks-

   porigen Leichtbeton

Hochfesten Beton der Druckfestigkeitsklassen

   ab C55/67

unbewehrten Stahlfaserbeton in den

   Expositionsklassen XS2, XD2, XS3 und XD3

   mit rechnerischem Ansatz der Stahlfasern









Leistungsklassen

Der für die Bemessung maßgebende Parameter des Stahlfaserbetons ist die zentrische Nachrissbiegezugfestigkeit. L1 gibt Auskunft über den Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit und L2 über den Grenzzustand der Tragfähigkeit. Die Nachrissbiegezugfestigkeiten werden aus der Last-Durchbiegungskurve bei den Durchbiegungsstellen 0,5 mm und 3,5 mm gewonnen. Die Leistungsklasse wird vom Planer festgelegt.

Verformungswerte und Leistungsklassen von Stahlfaserbeton

LeistungsklasseNachweis im Grenzzustand der ... Verformungswerte in der Nachrissbiegezugprüfung (Biegebalkenprüfung)1)
L1
(kleine Verformungen)
GebrauchstauglichkeitδL1 = 0,5 mm
L2
(große Verformungen
und in Kombination mit
Betonstahlbewehrung)
Tragfähigkeit
bzw. Gebrauchstauglichkeit
bei Verwendung von
Betonstahlbewehrung
δL2 = 3,5 mm




1) Nachrissbiegezugprüfung nach Anhang O der DAfStb-Richtlinie "Stahlfaserbeton"








In der folgenden Tabelle sind die zentrischen Nachrissbiegezugfestigkeiten für die verschiedenen Leistungsklassen angegeben.



Leistungsklassen L1 und L2 für Stahlfaserbeton mit den Grundwerten der zentrischen Nachrisszugfestigkeiten nach DAfStb-Richtlinie Stahlfaserbeton

Grundwerte der zentrischen Nachrisszugfestigkeit ƒfct0 in N/mm2
Verformung 1 Verformung 2
L1ƒfct0,L1L2ƒfct0,L2ƒfct0,uƒfct0,s
0< 0,16 0---
0,4a0,160,4a0,100,150,15
0,60,240,60,150,220,22
0,90,360,90,230,330,33
1,20,481,20,300,440,44
1,50,601,50,380,560,56
1,80,721,80,450,670,67
2,10,842,10,530,780,78
2,40,962,40,600,890,89
2,7b1,082,7b0,681,001,00
3,0b1,203,0b0,751,111,11




a nur für flächenhafte Bauteile
b für Stahlfaserbeton dieser Leistungsklassen ist eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung oder Zustimmung im Einzelfall erforderlich








Grundwerte der zentrischen Nachrisszugfestigkeit

ƒfct0,L1 in Leistungsklasse 1 bei Verwendung der vollständigen Spannungs-Dehnungslinie

ƒfct0,L2 in Leistungsklasse 2 bei Verwendung der vollständigen Spannungs-Dehnungslinie

ƒfct0,u bei Verwendung des rechteckigen Spannungsblocks sowie von Betonstahlbewehrung im Grenzzustand der Tragfähigkeit

ƒfct0,s im Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit bei Verwendung von Betonstahlbewehrung




Kennzeichnung von Stahlfaserbeton

Beispiel für die Bezeichnung von Stahlfaserbeton:

C30/37 L1,2/0,9 XC1

Dabei bedeutet: C30/37 Druckfestigkeitsklasse nach DIN EN 206-1/DIN 1045-2

L1,2/0,9  Stahlfaserbeton der Leistungsklasse L1-1,2 für kleine Verformung 1 und Leistungsklasse L2-0,9 für große Verformung 2

XC1 Expositionsklasse des Betons




Stahlfaserarten

Für Beton nach DIN EN 206-1/DIN 1045-2 dürfen folgende Stahlfasern nach DIN EN 14889-1 verwendet werden (siehe auch Fasern):

lose Stahlfasern

bündelweise verklebte Stahlfasern mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung

Stahlfasern in Dosierverpackung mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung




Eingesetzt werden Stahlfasertypen mit verschiedenen Formen und aus unterschiedlichen Stahlsorten, z. B.:

Stahldrahtfasern mit glatter Oberfläche und Endhaken

Stahldrahtfasern mit profilierter Oberfläche und Endhaken

Stahldrahtfasern in gewellter Form

gefräste Spanfasern

profilierte Blechfasern




Generell besitzen Stahldrahtfasern eine hohe, Blechfasern eine niedrige Festigkeit. Die Duktilität ist bei beiden ausgesprochen hoch. Spanfasern besitzen ein eher sprödes Bruchverhalten.

Die Leistungsfähigkeit der Fasern im Beton ist abhängig vom:

Fasergehalt

Zugfestigkeit der Fasern

Verankerungsmechanismus der Faser

Verhältnis Faserlänge l / Faserdurchmesser d




Je höher l/d, desto höher die Wirksamkeit. Die eingesetzten Stahlfasern sollten nicht kürzer sein als das 1,5fache des Größtkorns. Standardfaserlängen sind 25 mm bis 60 mm.



Zusammensetzung

Der Gehalt an Stahlfasern liegt in Abhängigkeit von der Anwendung bei ca. 20 bis 40 kg/m³. Bei hochbelasteten Bauteilen sind auch höhere Gehalte möglich.

Die Zugabe von Stahlfasern zum Beton führt in der Regel zu einer steiferen Konsistenz gegenüber der Ausgangsmischung. Diese wird durch Zugabe von verflüssigenden Zusatzmitteln ausgeglichen. Das Ausbreitmaß der Ausgangsmischung ohne Fasern sollte ca. 420 ± 20 mm betragen. Für die Aussteuerung der Frisch- und Festbetoneigenschaften dürfen die Gehalte an Zement und Zusatzstoff (außer Fasern) um jeweils ± 15 kg/m3 variiert werden.

Für einen ausreichenden Zusammenhalt und eine gute Verarbeitbarkeit sind zu berücksichtigen:

erhöhter Zementleimbedarf (ca. + 10 %)

ausreichend hoher Mehlkorn- und Feinstsandanteil

Sieblinie im Bereich A/B nach DIN 1045-2

in der Regel Dmax 16 mm




Für die Stoffraumrechnung des Betons wird die Dichte der Stahlfasern mit 7,85 kg/dm3 angesetzt.



Herstellung, Erstprüfung und Überwachungsklassen

Stahlfasern müssen im Herstellwerk zugegeben werden. Die Dosiermengen und –reihenfolge der Ausgangsstoffe sind in einer Mischanweisung für die jeweilige Anlage vorzuschreiben.

Die Einbaukonsistenz wird mit Fließmittel auf der Baustelle eingestellt.

Stahlfaserbeton kann als Pumpbeton hergestellt werden.

Für die Festlegung der Leistungsklasse ist die Erstprüfung an mindestens sechs Prüfkörpern mit dem weggesteuerten 4-Punkt-Biegeversuch für die Verformungen 1 und 2 durchzuführen. Die Erstprüfung ist jährlich als Bestätigungsprüfung sowie bei wesentlichen Änderungen der Ausgangsstoffe oder den Anforderungen zu wiederholen.

Überwachung von Stahlfaserbeton:

Leistungsklasse ≤ L1-1,2: Überwachungsklasse 1

Leistungsklasse > L1-1,2: Überwachungsklasse 2


Die Bestimmung des Stahlfasergehaltes bei der Abnahmeprüfung kann durch Auswaschen des Frischbetons oder induktiv erfolgen.



Eigenschaften

Die Zugabe von Stahlfasern zu Beton führt zu folgenden Materialeigenschaften:

höhere Schlagfestigkeit

höherer Verschleißwiderstand

duktiles Bruchverhalten

evtl. höhere Biegezug-, Spaltzug- und zentrische Zugfestigkeit

höhere Grünstandsfestigkeit des Betons


Stahlfaserbeton ist in den Expositionsklassen XC1 und XC2 in die Mindestdruckfestigkeitsklasse C20/25 einzustufen. Für alle anderen Expositionsklassen gelten die Anforderungen nach DIN 1045-1, Tabelle 3. Stahlfaserbeton darf nicht der Expositionsklasse X0 zugeordnet werden, weil er Metall enthält.



Anwendungen

Stahlfasern können in Abhängigkeit von den statischen Anforderungen an das Bauteil ohne zusätzliche Bewehrung, in Kombination mit einer schlaffen Stabstahlbewehrung und/oder im Spannbeton eingesetzt werden.

In folgenden Bereichen wird Stahlfaserbeton derzeit eingesetzt:

Industrieböden

Fundamente, Fundamentplatten, Bodenplatten

Kellerwände, Wände

Fertiggaragen

Spritzbeton (Nass- oder Trockenspritzverfahren), z. B. für Tunnelauskleidungen, Hangsicherungen

Tunnelauskleidungen aus Fertigteilen (Tübbinge)

Betonrohre

Rammpfähle

Dichtflächen, z. B. Auffangtassen in Tankanlagen













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